Schon zur Begrüßung machte Dr. Volker Schmidt, Hauptgeschäftsführer der Arbeitgeberverbände Hannover, deutlich, vor welchen Belastungen viele Unternehmen derzeit stehen: „Unsere Industrie sieht sich einer Kumulation von Herausforderungen gegenüber, die es so noch nicht gegeben hat. Und ich frage mich oft: Wie sollen wir damit noch umgehen?“ Gleichzeitig sprach Schmidt seinen Respekt gegenüber den Verantwortlichen in den Betrieben aus, „die in den Unternehmen den Kopf oben halten und den Betrieb durch diese schwierigen Fahrwasser steuern“.
Ein zentrales Thema: der Fachkräftemangel. Bis 2030 werden nach Einschätzung Schmidts rund sieben Millionen Menschen das Arbeitsleben verlassen, während nur etwa 3,5 Millionen nachkommen. Dabei fehle es nicht nur an Personal, sondern vor allem an Menschen mit den passenden Qualifikationen. „Es ist ein Anbietermarkt“, sagte Schmidt. „Die Fachkräfte von morgen suchen sich ihre Arbeitgeber aus, nicht mehr umgekehrt.“
Genau hier setzt das Praxisforum Produktion an: Es will Unternehmen, Forschung und Praxis miteinander ins Gespräch bringen. „Wie die IdeenExpo lebt auch das Praxisforum Produktion vom Austausch und vom Ausprobieren“, betonte Schmidt. In Zeiten tiefgreifender Veränderungen komme es mehr denn je auf kreative Lösungen und neue Wege an. Mit dem neu belebten Forum entstehe ein Ort, „an dem man sich darüber austauschen und Best-Practice-Beispiele teilen kann“.
Nachfrage steigt, gleichzeitig wächst die Variantenvielfalt
Ein solches Beispiel lieferte die REINTJES GmbH aus Hameln. Unter dem Titel „Das Ende der Zettelwirtschaft“ zeigten Geschäftsführer Klaus Deleroi und Produktionsleiter Dirk Heusing, wie moderne Produktion konkret umgesetzt werden kann. REINTJES steht weltweit für leistungsstarke Antriebstechnik und industrielle Präzision. Am Hauptsitz in Hameln entstehen maritime und industrielle Antriebssysteme.
Dirk Heusing beschrieb die Ausgangslage so: „Als Hersteller von Schiffsgetrieben agieren wir auf einem wachsenden Markt. Die Nachfrage steigt stetig, gleichzeitig wächst auch die Variantenvielfalt, die unsere Kunden nachfragen.“ Um den vielen individuellen Lösungen gerecht zu werden, habe REINTJES eine ganzheitliche Produktionsstrategie entwickelt. Im Zentrum stehe dabei die Frage: „Was sind unsere Kernkompetenzen?“
Ideen teilen und Erfahrungen vergleichen
Ein wichtiger Baustein ist die Digitalisierung. „Wir haben unsere Digitalisierung gesteigert, um den Informationsfluss innerhalb der Firma zu verbessern“, erklärte Heusing. Ein Beispiel aus der Montage: Druckluftbetriebene Werkzeuge wurden durch intelligente Akku-Impulswerkzeuge ersetzt. Diese liefern den Mechanikern direkt die Daten, die sie früher mühsam zusammensammeln mussten. „Zum Beispiel sagt das Werkzeug sofort, wann der Drehmoment erreicht ist“, so Heusing.
Neben dem Praxisimpuls standen drei Forschungs-Pitches mit dem PZH auf dem Programm. Sie zeigten konkrete Ansätze aus Automatisierung, Fertigung und Fabrikplanung – von KI-gestützter Bauteilzuführung bis zum digitalen Zwilling. Beim anschließenden Unternehmens-Speeddating ging es darum, Ideen zu teilen, Erfahrungen zu vergleichen und neue Kontakte zu knüpfen.
Das Praxisforum Produktion machte deutlich: Zukunftsfähige Produktion entsteht dort, wo Unternehmen voneinander lernen, Forschung anwendungsnah eingebunden wird und neue Lösungen nicht nur diskutiert, sondern ausprobiert werden.