Während sich Teile der Industrie – besonders die Automobilindustrie – in einer strukturellen Krise und tiefgreifenden Transformation befinden, wächst eine Branche weltweit dynamisch: die Medizintechnik. Wie sich industrielle Kompetenzen künftig stärker für medizinische Innovationen nutzen lassen, stand im Mittelpunkt des „medizin. technik. kongress.“ (mtk26), der heute erstmals im Medical Park Hannover stattfand. Die neue Veranstaltung von NiedersachsenMetall brachte Vertreter aus Industrie, Wissenschaft, Medizin und Politik zusammen.
Niedersachsens Wissenschaftsminister Falko Mohrs sagte: „Die Medizintechnik ist in Niedersachsen sehr leistungsstark aufgestellt. In den vergangenen Jahren ist es uns gelungen, mit gezielten Weichenstellungen die Forschung in diesem Bereich nachhaltig zu stärken – heute verfügen wir teils über international führende Expertisen. Der Medizintechnik‑Kongress bringt gründungsinteressierte Forschende, Start‑ups und etablierte Unternehmen zusammen, um Synergienzu heben, Kooperationen zu fördern und Innovationen schneller in marktreife Produkte zu übersetzen.“
NiedersachsenMetall-Hauptgeschäftsführer Dr. Volker Schmidt erklärte: „Für viele Industrieunternehmen eröffnet die Medizintechnik ganz neue Perspektiven. Viele der technologischen Kompetenzen, mit denen die Autoindustrie punktet – von Präzisionsfertigung über Sensorik bis zur Automatisierung – lassen sich direkt auf medizinische Anwendungen übertragen.“ Der Bedarf an innovativen Diagnose- und Therapieverfahren wächst unter anderem durch den demografischen Wandel, steigende Gesundheitsanforderungen und neue digitale Technologien. „Die Medizintechnik gehört zu den großen Zukunftsbranchen unserer Zeit – technologisch hochinnovativ und mit direktem Nutzen für die Menschen“, sagte Schmidt. Gerade für viele mittelständische Industrieunternehmen eröffne die Branche neue Möglichkeiten für Innovation und Diversifizierung.
Der Kongress brachte dafür Akteure aus unterschiedlichen Bereichen zusammen. Zu den Impulsgebern zählten unter anderem der Herzchirurg und Implantatforscher Prof. Dr. Axel Haverich und Prof. Dr. Denise Hilfiker-Kleiner, Präsidentin der Medizinischen Hochschule Hannover. In neun parallelen Foren erhielten die Teilnehmer Einblicke in aktuelle Entwicklungen der Branche – von innovativer Implantatforschung über Medizinrobotik im klinischen Alltag bis hin zu KI-gestützter Medikamentenentwicklung und Biomarkern zur frühen Demenzdiagnostik. Einige Sessions fanden direkt im Medical Park Hannover statt, weitere bei Unternehmen und Forschungseinrichtungen im Umfeld und ermöglichten auf diese Weise Einblicke in aktuelle Forschungs- und Entwicklungsarbeit. „Niedersachsen ist ein starker Standort für Medizintechnik – mit exzellenter Forschung, innovativen Unternehmen und einer starken industriellen Basis“, sagte Schmidt. Der neue Kongress solle dazu beitragen, diese Potenziale stärker zu vernetzen und sichtbar zu machen.