Teilnehmerinnen des Mädchen-Projekts fertigen eigene Gussteile in der Gießerei.

Konzentriert steht die 15-jährige Emelie in der Lehrgießerei der KSM Castings Group.

Sie ist gerade dabei, mit einer Gussform einen kleinen Herz-Anhänger zu fertigen. Ausbildungsleiter Jörg Gustke steht neben ihr: „Vergiss das Trennmittel nicht“, sagt er, bevor Emelie anfängt, Sand in die Form zu sieben und diesen festzustampfen.

10 Schülerinnen, 4 Auszubildende, eine Gießerei: Mitte Mai traf sich die Frühlingsedition des Projekts MEdchen! der Stiftung NiedersachsenMetall bei der KSM Castings Group in Hildesheim. Die Schülerinnen der St. Augustinus Schule besuchten das Werk des Hildesheimer Automobilzulieferers und fertigten anschließend eigene Gussteile. Neben dem Ausbildungsleiter Jörg Gustke halfen ihnen dabei vier weibliche Auszubildende und erzählten von ihrem Alltag.

„Ein Mädchen darf hier nicht pingelig sein. Und man muss sich bei den  Jungs durchsetzen können“, stellt Schülerin Lilly nach dem Betriebsrundgang fest. KSM-Auszubildende Sarah, angehende technische Modellbauerin, stimmt ihr zu: „Aber wer zeigt, dass er das Zeug für einen technischen Beruf hat, wird schnell akzeptiert.“ Das weiß auch ihre Kollegin Tiana – sie war vor zwei Jahren das erste Mädchen in der Ausbildung zur Elektronikerin: „Wir waren damals gegenseitig unsicher, meine neuen Kollegen und ich. Aber ich wurde super aufgenommen.“

Dieser Austausch zwischen den jungen Frauen ist es, der für Projektleiterin Anna Noack (Stiftung NiedersachsenMetall) im Vordergrund steht: „Wer sich für einen Metall- und Elektroberuf entscheidet, dem stehen viele Türen offen. Wir wollen den Schülerinnen eine Idee dieser Möglichkeiten vermitteln“, erklärt sie. Auch, wenn sich die Schülerinnen gegen einen technischen Beruf entscheiden: „Dann wissen sie wenigstens, was sie nicht wollen.“ Zuvor besuchten die Schülerinnen, die den technischen Zweig ihrer Schule besuchen, einen Workshop in der Werner-von-Siemens Schule Hildesheim.

Wie kreativ ein Gießereiberuf sein kann, erklärte Ausbildungsleiter Gustke auf dem Betriebsrundgang zwischen Robotern, Druckgussmaschinen und lauwarmen Sandformen: „Unsere Kunden kommen mit einer Vision zu uns, wir entwickeln die Ideen weiter.“ Ihm ist es wichtig, dass seine Auszubildenden mitdenken: „Da sind Mädchen manchmal die besseren Facharbeiter. Die Zeiten des rauen Gießereiklimas sind vorbei.“

Vicente Perez-Lucerga, CEO der KSM Castings Group, nutzte die Gelegenheit und begrüßte die jungen Frauen persönlich: „Sowohl Männer als auch Frauen sind in der Lage, technische Berufe auszuüben. Gemeinsam versuchen wir, gegen alte Stereotype zu arbeiten und mehr Frauen für MINT-Berufe zu begeistern. Ich hoffe, das haben wir heute geschafft.“

Nach der Veranstaltung hält Schülerin Emelie ihr selbst hergestelltes Herzchen in den Händen: „Das zeige ich heute Abend meiner Familie.“

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