In der zweiten Verhandlungsrunde für die niedersächsische Metall- und Elektroindustrie (M+E) hat NiedersachsenMetall der IG Metall heute ein Angebot vorgelegt. Erstmals haben die Arbeitgeber damit zeitgleich in fünf Tarifgebieten ein bundesweit abgestimmtes Angebot unterbreitet. NiedersachsenMetall-Hauptgeschäftsführer Dr. Volker Schmidt wertete dies als klares Signal der Verhandlungsbereitschaft, warnte zugleich aber vor weiteren Belastungen für den Industriestandort: „Wir wollen eine Lösung. Aber wir dürfen die wirtschaftliche Realität nicht ausblenden. Seit 2018 ist der Welthandel um 20 Prozent gewachsen, die weltweite Industrieproduktion um 15 Prozent. Gleichzeitig ist die Produktion unserer Metall- und Elektroindustrie um 15 Prozent eingebrochen. Unsere Wettbewerbsfähigkeit hat dramatisch gelitten. Wir brauchen eine Tarifpolitik, die diesen Trend stoppt, statt ihn weiter zu verschärfen.“
Das Angebot sieht eine Einmalzahlung von einem Prozent des durchschnittlichen tariflichen Jahresbruttoentgelts im Juli 2027 und eine Erhöhung der Entgelttabellen um 1,3 Prozent im Juli 2028 vor. Die Laufzeit soll bis zum 31. Dezember 2028 reichen. Die Einmalzahlung soll nach den Regeln der Automatischen Differenzierung an die wirtschaftliche Lage der Unternehmen angepasst werden können.
Zugleich fordern die Arbeitgeber, die bewährte Automatische Differenzierung dauerhaft fortzuschreiben und auszuweiten. Ein zusätzliches betriebliches Instrument soll mehr Spielraum schaffen, um Investitionen, Innovationen, Standorte und Beschäftigung zu sichern. Dessen Einführung ist aus Arbeitgebersicht ein wesentlicher Bestandteil einer Einigung.
„Unser Angebot trägt der schwierigen Lage der Unternehmen Rechnung und zeigt, dass wir zu einem Abschluss kommen wollen“, sagte der Vorsitzende der Tarifkommission, Dr. Mladen Petkovic. „Aber es geht um mehr als Entgelte. Die Automatische Differenzierung hat sich bewährt und muss dauerhaft erhalten bleiben. Gleichzeitig brauchen wir neue Instrumente, mit denen Unternehmen flexibel auf wirtschaftliche Herausforderungen reagieren und ihre Standorte sichern können. Nur so lässt sich die fortschreitende Deindustrialisierung stoppen.“
Wie dringend das sei, zeigen aktuelle Zahlen: Seit 2018 sind bundesweit rund 350.000 Arbeitsplätze in der M+E-Industrie verloren gegangen, derzeit fallen monatlich weitere 10.000 Stellen weg. Laut einer aktuellen Gesamtmetall-Umfrage planen 42 Prozent der Unternehmen weiteren Personalabbau. Rund 300.000 zusätzliche Arbeitsplätze gelten als gefährdet. Zugleich geben 71 Prozent der Unternehmen an, dass hohe Arbeitskosten Investitionen in Deutschland verhindern.
„Unsere Unternehmen haben durchaus Aufträge und Marktchancen. Aber immer häufiger entstehen daraus Arbeitsplätze und Wertschöpfung im Ausland“, sagte Schmidt. „Wenn es dort wirtschaftlicher ist, zu produzieren und zu investieren, wandern Produktion und Investitionen ab. Diesen Teufelskreis müssen wir durchbrechen.“
Darüber hinaus wollen die Arbeitgeber mit der IG Metall über Möglichkeiten zur Senkung krankheitsbedingter Kosten und eine schnellere Einführung Künstlicher Intelligenz in den Betrieben sprechen. „Wir haben mit der IG Metall ein gemeinsames Interesse: möglichst viele Industriearbeitsplätze in Niedersachsen zu erhalten“, sagte Petkovic. „Mit unserem Angebot sind wir auf die Gewerkschaft zugegangen. Jetzt müssen wir gemeinsam eine Lösung finden, die Beschäftigung sichert und den Unternehmen wieder Perspektiven eröffnet.“