Schmidt

Angesichts der sich immer weiter zuspitzenden Lage in der Automobilindustrie plädiert Dr. Volker Schmidt, Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbands NiedersachsenMetall, für eine Verlängerung der aktuellen Kurzarbeitergeld-Regelung über den 31. Dezember 2021 hinaus: „Die Branche steckt tief in der Krise, und wenn die Regelung zum Jahresende ausläuft, dann scheppert es richtig.“

Der Verband geht aufgrund der Rückmeldungen seiner Mitgliedsunternehmen mittlerweile fest davon aus, dass bei weiterer Zuspitzung der Situation mindestens 30.000 Arbeitsplätze bis Mitte nächsten Jahres in der niedersächsischen Zulieferindustrie verloren gehen. „Über 60 Prozent aller Jobs in Niedersachsen hängen an der Automobilindustrie. Einem Stellenabbau von 30.000 Stellen kann man nicht tatenlos zusehen, das gilt es unbedingt zu verhindern“, sagt Schmidt.Gefordert sei jetzt ein Höchstmaß an Pragmatismus und darunter verstehe Schmidt sämtliche Maßnahmen, die die Lage kurzfristig stabilisieren. „Dazu gehört zuvorderst die Verlängerung der Kurzarbeitergeld-Regelung“, sagt Schmidt.  Seit Beginn der Coronakrise unterstützt der Staat betroffene Betriebe, indem er den weitaus größten Teil der Entgeltzahlungen übernimmt sowie die Sozialversicherungsbeiträge fast vollständig erstattet. Diese Leistungen sind jedoch derzeit auf unmittelbare Folgen der Coronakrise – wie etwa einen Einbruch der Aufträge – beschränkt und sollen zum Jahresende auslaufen.

Aus Schmidts Sicht sind aber viele Probleme, mit denen die Branche aktuell zu kämpfen hat, mindestens mittelbar auf Corona zurückzuführen. „Die Chipkrise ist ein temporäres Problem, das ursächlich im Zusammenhang mit der Pandemie steht.“, sagt Schmidt. Während der Coronakrise hätten die Chip-Hersteller in Asien durch den Produktionsstopp der Automobilhersteller ihre Produktion drastisch heruntergefahren und teils auf andere Branchen wie die Unterhaltungselektronikindustrie verlagert. „Die Produktion für die Automobilbranche muss erst wieder hochgefahren werden.“

Auch die weggebrochenen Umsätze der Zulieferer seien eine unmittelbare Folge des Produktionsstopps der OEMs infolge der Pandemie. Mit weniger Kapital müssten die Firmen nun Lieferengpässen, extrem verteuerten Vormaterialien und steigenden Preisen für Energie begegnen. „Täglich gibt es neue Hiobsbotschaften aus unseren Firmen, die sie in Richtung Stellenabbau, Produktionsverlagerung und bis zu Werksschließungen treiben“, sagt Schmidt. Er ist davon überzeugt, dass der Höhepunkt der Krise noch nicht erreicht ist: „Das Winterhalbjahr wird sehr, sehr hart.“

Ansprechpartnerin

Isabel Christian

Leiterin Presse und Online, Pressesprecherin

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