Niedersachsen wird bundesweit als attraktives, lebenswertes Land und als Reiseziel geschätzt. In der Wahrnehmung als Wirtschafts- und Industriestandort bleibt das Bundesland jedoch blass. Das ist das zentrale Ergebnis einer repräsentativen Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach zum Image Niedersachsens, die NiedersachsenMetall in Auftrag gegeben hat. „Wenn Niedersachsen im internationalen Standortwettbewerb bestehen will, muss es sichtbarer werden“, sagt NiedersachsenMetall-Hauptgeschäftsführer Dr. Volker Schmidt. „,Niedersachsen. Klar‘ hat dem Land hier nach unserer Beobachtung wenig geholfen und mehr Fragen aufgeworfen als Antworten gegeben. So klar war da eigentlich gar nichts. Niedersachsen benötigt dringend eine professionelle Imagekampagne, denn an klaren Konturen mangelt es bislang.“
Geringe Bekanntheit, besonders bei Jüngeren
Laut Umfrage haben trotz eigener Erfahrungen und medialer Berichterstattung nur 9 Prozent der Bundesbürger außerhalb Niedersachsens eine konkrete Vorstellung vom Land. Jeder Zweite gibt an, allenfalls eine ungefähre Vorstellung zu haben, knapp 30 Prozent beschreiben ihr Wissen über Niedersachsen als gering oder sehr gering. Besonders auffällig ist der Blick der jüngeren Generation: Mehr als 40 Prozent der unter 30-Jährigen haben kaum oder gar kein klares Bild von Niedersachsen. „Für einen Industriestandort, der im Wettbewerb um Fachkräfte, Investitionen und Innovationen steht, muss das ein Weckruf sein“, sagt Schmidt. „Wer nicht wahrgenommen wird, findet auch nicht statt.“
Wirtschaftlich nur Mittelmaß – selbst aus eigener Sicht
In der Wahrnehmung der bundesdeutschen Bevölkerung wird Niedersachsen wirtschaftlich allenfalls im Mittelfeld der Bundesländer verortet – mit deutlichem Abstand zu Bayern und Baden-Württemberg. Bemerkenswert ist dabei, dass auch die niedersächsische Bevölkerung die Wirtschaftskraft des eigenen Landes nicht positiver einschätzt als der Rest der Republik.
Während in nahezu allen Bundesländern die eigene Bevölkerung das wirtschaftliche Abschneiden des Landes besser bewertet als Außenstehende, ist dieses Muster in Niedersachsen außer Kraft gesetzt. Nur 26 Prozent der Bundesbürger halten Niedersachsen für wirtschaftlich besonders stark – bei Bayern sind es 87, im Falle Baden-Württembergs 72 Prozent. „Das ist ein Warnsignal“, sagt Schmidt. „Nicht einmal die eigene Bevölkerung nimmt Niedersachsen als besonders starken Wirtschaftsstandort wahr.“
Viel Landschaft, viel VW – wenig Innovation und Modernität
Fragt man die Bevölkerung in Deutschland, womit sie Niedersachsen verbindet, dominieren Natur, Landwirtschaft und Automobilindustrie. 78 Prozent nennen die Lüneburger Heide, 76 Prozent Volkswagen, 75 Prozent Landwirtschaft, 62 Prozent Windkraft. Niedersachsen gilt als bodenständig – aber kaum als modern oder innovativ.
Nur 20 Prozent der Bevölkerung verbinden Niedersachsen mit Innovationen, lediglich 16 Prozent mit Modernität. Auffällig ist zudem, dass die Verbindung zu Volkswagen in den vergangenen zwei Jahren deutlich zugenommen hat – von 63 Prozent im Jahr 2023 auf heute 76 Prozent. „Volkswagen ist ein zentraler Imageträger, keine Frage“, so Schmidt. „Aber ein Industrieland sollte nicht auf ein einzelnes Unternehmen reduziert werden. Niedersachsen verfügt über eine breite industrielle Basis und viele international erfolgreiche Unternehmen – das kommt im öffentlichen Bild kaum vor.“
Attraktives Urlaubsland, aber Zweifel an wirtschaftlicher Stärke und Bildung
Zusammenfassend zeigt die Umfrage ein klares Muster: Niedersachsen gilt als attraktives Urlaubsland mit schönen Landschaften, Freizeitmöglichkeiten und sehenswerten Städten. 71 Prozent wissen zudem, dass in Niedersachsen viel Windkraft produziert wird, mehr als die Hälfte sieht das Land als wichtigen Faktor für die Energieversorgung Deutschlands. Demgegenüber steht ein deutlich negatives Bild des Wirtschaftsstandorts: Nur 40 Prozent halten Niedersachsen für einen guten Standort für Unternehmen, lediglich 38 Prozent für eine Wirtschaftsregion mit Zukunft. Nur 24 Prozent verbinden das Land mit sicheren Arbeitsplätzen, nicht einmal ein Drittel mit wirtschaftlicher Stärke. Auch ein gutes Bildungssystem wird Niedersachsen nur von 25 Prozent der Befragten – bundesweit wie auch in Niedersachsen – attestiert. „Das ist das Ergebnis, wenn man glaubt, sich dem Standortwettbewerb nicht aktiv stellen zu müssen. Niedersachsen gilt als attraktiv und ist zweifellos ein beliebtes Reiseland mit einer starken Tourismusbranche – gemessen an seinen Möglichkeiten als Wirtschaftsstandort hat es aber erheblichen Nachholbedarf“, fasst Schmidt zusammen.
Standortkampagne als Chance
„Gerade deshalb begrüßen wir ausdrücklich die Initiative der Landesregierung, eine neue Standortkampagne zu entwickeln“, betont Schmidt. NiedersachsenMetall habe die Allensbach-Umfrage bewusst beauftragt, um diesen Prozess konstruktiv zu unterstützen. Die Ergebnisse wurden der Landesregierung zur Verfügung gestellt. „Eine erfolgreiche Standortkampagne braucht Fakten“, so Schmidt. „Unsere Umfrage zeigt deutlich, wo Niedersachsen steht – und wo es sichtbarer, selbstbewusster und lauter werden muss. Im Interesse eines starken Industriestandorts Niedersachsen.“
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