Des einen Müll ist des anderen Schatz, sagen die Briten. Diese Junior-Firma hat das zu ihrer Geschäftsidee gemacht.

Die Schüler stellen aus alten Fahrradreifen stylische Etuis her. Und bekamen dafür sogar einen Preis.

Aus Alt mach Neu: Aus alten Fahrradreifen praktische und stylishe Schreibetuis machen – diese Geschäftsidee hatten die 15 Mädchen und Jungen der Schülerfirma „Lemallem“. Damit trat das Team von der Michelsen-Schule beim Junior-Wettbewerb in Niedersachsen an – und hatte Erfolg. Es holte sich den Innovationspreis des Arbeitgeberverbands.

Mit den Junior-Projekten lernen Jugendliche praktisch und hautnah, wie Unternehmen und Wirtschaft funktionieren. Deutschlandweit nahmen im zurückliegenden Schuljahr 711 Schülerfirmen an den Wettbewerben teil. Alles Teams wie das von der Michelsen-Schule in Hildesheim.

Die Idee zum Reifen-Etui hatten begeisterte Radfahrer

Das Besondere an dessen Geschäftsidee: Die Jugendlichen setzen bei ihrem Produkt aufs Aufwerten, im Fachjargon Upcycling genannt. Während beim Recycling Material normalerweise nur wiederverwertet wird, machen die jungen Leute aus den alten Fahrradreifen etwas Wertigeres. „One man’s trash is another man’s treasure“, sagen die Briten. Zu Deutsch: „Des einen Müll ist der Schatz des anderen.“

Und weil Upcycling im Trend liege, habe ihr Entschluss schnell festgestanden, berichtet Rüffer. Dann ergänzt er: „Die Idee zum Reifen-Etui hatten begeisterte Radfahrer unserer Gruppe.“ Die ausgedienten Reifen erhielten die jungen Leute übrigens von einem Radsportgeschäft in Hildesheim.

Die ersten Nähversuche scheitern an den unplattbaren Reifen

Daraus die Taschen zu basteln, erwies sich dann aber als eine Herausforderung. Katharina Reipsch, die in der Freizeit gerne näht, ging die Arbeit zunächst mit ihrer Nähmaschine an. Das aber wollte nicht recht klappen. Denn Fahrradreifen sind nun mal sehr stichfest, damit man sie nicht so schnell platt fährt. Deshalb waren die Nadeln dem Gummi auf die Dauer nicht gewachsen.

Nach einigen Versuchen und einer Reihe verschlissener Nadeln fanden die jungen Leute bei einem Schuhmacher das geeignete Werkzeug. Jetzt konnte ihre Vision Wirklichkeit werden. Und die ersten Etuis entstanden in Handarbeit. 39 davon hat die Junior-Firma im vergangenen Schuljahr verkauft. „Wir haben uns das am Anfang leichter vorgestellt“, erzählt Reipsch. „Dadurch haben wir gelernt, nicht gleich bei der ersten Hürde aufzugeben, sondern dranzubleiben.“ Das hat sich gelohnt, findet Rüffer: „Das war eine gute Erfahrung.“

Erfahrungen helfen bei der Berufsorientierung

Neben der handwerklichen Arbeit, der Produktion, haben die jungen Leute ihre Firma mit allem, was dazugehört, aufgebaut und betrieben: mit Einkauf, Verwaltung, Finanzen und Marketing. Und sie haben eine Menge dabei gelernt.

Auch über sich, wie Rüffer berichtet. Der Jugendliche war für die Finanzen zuständig und hat Feuer gefangen. Er könne sich vorstellen, in dem Berufsgebiet einmal zu arbeiten. Und Reipsch fühlt sich durch die Stunden an der Nähmaschine darin bestärkt, etwas Handwerkliches anzustreben.

Die beiden empfehlen ihren Altersgenossen, einmal bei einem Junior-Projekt mitzumachen. Mit Engagement, Durchhaltevermögen und Teamgeist könne man da einiges erreichen. Genau wie später im Beruf.

Fotos: Gossmann

In Junior-Firmen lernen Schüler Wirtschaft

Die Junior-Programme des Instituts der deutschen Wirtschaft ermöglichen es Jugendlichen, eine Schülerfirma zu gründen und zu betreiben. So können sie wirtschaftliche Zusammenhänge realitätsnah erleben.

Im Schuljahr 2017/18 nahmen bundesweit 711 Schüler-Firmen teil.

Seit dem Start im Jahr 1994 haben so schon über 120.000 junge Leute in knapp 9.000 Unternehmen auf diesem Weg erste Wirtschaftserfahrungen gesammelt.

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Ansprechpartner

Christian Budde

Christian Budde

Geschäftsführer Kommunikation, Pressesprecher

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